Es war im Herbst, als ich mich endgültig entschloss, nun auch einen Computer besitzen zu müssen. Den ganzen Sommer war ich an diesem kleinen Computergeschäft vorbeigekommen. Jedes Mal war ich vor der Auslage stehengeblieben, aber ich hatte mich nie zum Kauf überwinden können. Eines Tages war dieses Schild in der Auslage: "Sonderangebot!" Und ich wußte: Ich will auch ins weltweite Netz, ich will auch meine Schreibmaschine entsorgen und ich will auch Spiele spielen.
Als ich dieses Sonderangebot erstand, dachte ich, ich hätte tatsächlich
etwas Amüsantes, etwas Nettes gekauft. Ich irrte mich. Es war wie in
einem mittelmäßigen Film. Ich rede jetzt nicht von Systemabstürzen,
schlechten Programmen und deren Installation. Nein, sondern von etwas
weitaus Seltsameren.Es geschah, als ich den Computer erstmals in
Betrieb nahm. Es tauchten diverse Dialogfelder auf, wollen Sie dies,
wollen Sie das, wir empfehlen folgendes und überhaupt. Als ich mich
durchgekämpft hatte und ich schon dachte, alles würde funktionieren,
tauchte ein schwarzes Fenster auf. Ein Text erschien, fast zaghaft
getippt, so sah es zumindest aus: "Ist da jemand?" Was sollte das? Der
erste Gedanke, der einem Computerlaien wie mir durch den Kopf schoß,
war: "Hey, da sitzt jemand in meinem Rechner!" Aber ehe ich noch
weitere Gedanken spinnen konnte, tauchte wieder etwas auf: "Ich kann
nichts sehen! Ist da jemand?"
Mein Computer, oder jemand in meinem Computer sandte mir Botschaften.
Ich rief das Geschäft an und schilderte mein Problem. Ich wurde
erwartungsgemäß ausgelacht. Der Händler gab mir einen Rat, den ich erst
verstand, nachdem ich in meinem Handbuch nachgeschlagen hatte, was
"booten" bedeutet. Ich schaltete also aus und wieder ein.
"Hallo, nicht abschalten. Ich möchte mich mit Ihnen unterhalten."
Ich tippte auf der Tastatur herum, konnte aber offensichtlich nicht antworten.
"Ich will hier endlich heraus!"
Wieder rief ich im Geschäft an, wo mir schließlich versprochen wurde,
jemanden vorbei zu schicken, gegen entsprechendes Entgelt, versteht
sich.
Der Servicetechniker kam, startete und nichts passierte. Er lachte mich aus und ging. Ich probierte es ebenfalls und...
"Was ist los da draußen? Schaltet doch nicht ständig ein und aus, das irritiert mich!"
Wieder kam der Servicetechniker, wieder geschah nichts
Außergewöhnliches. Das ging fast eine Woche so. Die Rechnungen der
Computerfirma waren hoch, und ich wurde es langsam leid, mich permanent
zum Gespött zu machen. Das Ding in meinem Computer ließ mir zwar keine
Ruhe, da ich aber nicht mit ihm kommunizieren konnte, entschloss ich
mich, dass etwas zu geschehen hatte.
Ich bin kein Held, ich bin ein etwas langweiliger Mensch, eher der
Menschentyp "Buchhalter". Ich reagierte also auch entsprechend
unspektakulär. Ich packte den Computer ein und brachte ihn ins Geschäft
zurück. Ich bat die Firma, meinen Computer zurückzunehmen und mir einen
anderen zu geben.
Mein Modell war vergriffen, und ich musste auf ein teureres aufzahlen.
Mein neuer Rechner funktionierte normal, und ich vergaß mein seltsames
Erlebnis.
Monate später erzählte mir ein zufälliger Bekannter von der Firma
seines Neffen oder Cousins, jedenfalls irgendeines Familienmitglieds
von ihm. Diese Firma würde Botschaften in sehr günstig verkaufte
Rechner hineinschreiben, die Käufer zum Narren halten, an den
Rechnungen der Servicetechniker sehr gut verdienen und obendrein einen
riesigen Spaß haben. Den besonderen "Trotteln", wie mein Bekannter sich
ausdrückte, würden sie beim Umtausch sogar teurere Modelle andrehen.
"Nicht zu glauben..." murmelte ich. Verständlich, dass ich rasch auf ein anderes Thema zu sprechen kam.
©FloSchütz
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