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Ein leises Scharren ließ sie hochschrecken. Sie starrte in die Finsternis konnte aber nichts erkennen. Abermals vernahm sie das Geräusch. Noch ein wenig schlaftrunken, griff sie nach dem Messer auf dem Nachttisch. Zuerst bekam sie einen billigen Kugelschreiber zwischen die Finger, eine Packung Taschentücher, ein Buch, dann erst das Messer. Sie spürte den kühlen Griff des großen Küchenmessers, das einem Fleischer zu Ehre gereicht hätte und auch einen Massenmörder nicht hätte lächerlich aussehen lassen.

Sie schlug die Decke beiseite und glitt seitlich aus dem Bett zu Boden und landete auf allen Vieren. Die Müdigkeit war wie weggeblasen. Etwas wie Jagdinstinkt begann sich in ihr zu regen. Es war stockfinster, aber sie fand sich auch ohne Licht gut zu recht. Sie schlich gebückt zur Zimmertür, wobei sie dem Schreibtisch problemlos auswich. Wieder kam der Jagdinstinkt die Kehle heraufgekrochen und vermischte sich mit einer Gier nach Blut, die sie bisher noch nie gefühlt hatte. Es war ein völlig neues, aber kein unangenehmes Gefühl.
"So musste sich Erich, der Schmirgelmörder gefühlt haben." schoss ihr durch den Kopf. "Er hat aus Lust getötet, nicht aus innerem Drang. Pure Lust war es. Lust am Töten; es hat ihm Spaß gemacht."
Es war damals in allen Zeitungen zu lesen gewesen. Ein gewisser Erich P. war in einem Baumarkt Amok gelaufen und hatte mit einer Schmirgelmaschine sieben als Zwerge verkleidete Studenten tot geschmirgelt. Nur Gott allein weiß, was sieben als Zwerge verkleidete Studenten  in einem verdammten Baumarkt gemacht haben. Dieser etwas ungewöhnliche Zwischenfall war als Schmirgelmörderblutbad in die Geschichte eingegangen und noch heute erinnern zahlreiche gerahmte Zeitungsausschnitte in diesem Baumarkt an diesen schrecklichen Tag. Man muss auf der anderen Seite auch anmerken, dass dieser Zwischenfall das Geschäft mächtig ankurbelte. Besonders die Schmirgelgeräte gingen weg wie warme Semmeln, obwohl sie von diesem Tag an in einem verschlossenen Glasraum aufbewahrt wurden. (Die Geschäftsleitung hatte lange mit dem Gedanken gespielt, über der Tür dieses Extrazimmers ein Schild anzubringen, auf dem in blutroten Lettern geschrieben stand: "Erichs Schmirgelraum")
"Erich muss genau die gleiche Lust verspürt haben, die ich jetzt empfinde." Plötzlich hatte sie so etwas wie Verständnis für Erich. Sie verspürte sogar eine gewisse Zuneigung. "Wenn es wirklich Seelen geben sollte, so ist Erichs Geist soeben in meinen Körper eingedrungen." Sie sagte es nicht ohne Stolz, trotz der Tatsache, dass sie den feigen Mörder noch vor wenigen Augenblicken, wie jeder brave Bürger, verachtet hatte.
Wieder hörte sie Geräusche von unten. Sie umklammerte das Messer fester. "Er zieht sich die Schuhe aus, schleicht in Socken zum WC. Er steigt natürlich nicht auf das quietschende Dielenbrett."  QUIETSCH!  "Ungeschickt. Er muss ziemlich besoffen sein, sonst wäre er nicht so ungeschickt gewesen. Jetzt geht er zur Klotür... Ja! Jetzt öffnet er sie leise, so glaubt er zumindest, aber einem Schmirgel-Erich entgeht nichts. So jetzt habe ich kurze Zeit bis er fertig ist."
Sie stieg die Treppe hinunter. Sie gab sich nun auch keine Mühe mehr leise zu sein. Wozu auch? Er würde sterben, unabhängig davon ob sie leise war oder nicht.
Plötzlich dröhnte seine Stimme hohl aus dem WC. "Schatz, bist du das?"  Sie antwortete nicht, begann aber über das gesamte Gesicht zu strahlen und antwortete stumm in Gedanken:  "Ja! Ich bin´s und jetzt hole ich dich, mein kleines Schweinchen."  Aus dem WC waren Geräusche vom Klopapierrollenhalter zu hören.
"Jetzt kommt er bald. Jetzt kommt er bald. Jetzt kommt er bald." kommentierte sie.
Sie hörte wie er die Klotür aufschloss und trat einen Schritt in die Küche. Das Licht würde kurz aus dem erleuchteten WC herausleuchten und sie wollte noch nicht gesehen werden. Es sollte ja schließlich eine Überraschung werden.
Jetzt trat er aus dem WC, schaltete das Licht aus und tappte im Dunklen in Richtung Wohnzimmer. Sie blieb in der Küche stehen. Der Moment wäre zwar günstig gewesen, ihn von hinten abzuschlachten, aber sie war nicht ganz bei der Sache und verpasste diese gute Gelegenheit, denn sie erfreute sich gerade am Gedanken, ihn zu zerstückeln und ihn zu kleinen Happen zu verarbeiten, ähnlich den Fleischbrocken beim Fondue. Sie überlegte, ob es möglich wäre, ihm bei lebendigem Leib die Arme zu sezieren. Sie dachte an seine schreckensgeweiteten Augen. Würde er weinen? Wahrscheinlich. Würde er schreien? Wahrscheinlich. "Ich werde ihm die Zunge heraustrennen müssen." zischte sie leise und genüsslich. "Die Augen lasse ich bis zum Schluss ganz, er soll seine Fondue-Happen-Arme sehen können. Er muss alles mitansehen, damit er den Schmerz richtig begreifen kann."
Sollte Schmirgel-Erichs Geist sie je beseelt haben, verabschiedete er sich spätestens jetzt mit den Worten: "Verrückte alte Hexe, da wird ja sogar mir schlecht. Ich hau´ ab."

Seine Schritte rissen sie aus ihren Gedanken. Er kam aus dem Wohnzimmer zurück, allerdings ohne im Vorzimmer Licht zu machen. Hätte er es getan hätte er vielleicht überlebt. Aber er tat es nicht.
Sie sah ihn nicht, aber sie spürte seine Gegenwart. Sie konnte ihn vor ihrem geistigen Auge förmlich sehen. Er stand in der Mitte des Vorzimmers und überlegte, ob er hinaufgehen, oder lieber noch ein Bier trinken sollte.
Sie wusste, dass er sich für das Bier entscheiden würde. Schon lange war er nicht mehr nüchtern in ihr Bett gestiegen. Meistens schlief er dann mit ihr; eigentlich schlief er nicht mit ihr, sondern entledigte sich verfrüht einiger seiner üblen Körpersäfte. So zumindest war ihr Gefühl bei dem brünftigen Paarungsakt. Sie war austauschbar, sie hätte genauso gut eine Sexpuppe sein können und das wusste sie. Er hatte überhaupt keine Gefühle mehr für sie. Aber das war unwichtig, denn er würde sterben.
Sie hörte nichts, aber vor ihrem geistigen Auge sah sie ihn in die Küche gehen. Sie wusste, wenn er da wirklich vor ihr stünde, wäre der Zeitpunkt günstig. Sehr günstig. Sie verließ sich ganz auf diese Intuition, die weibliche Intuition einer Mörderin. Sie lehnte sich zurück um Schwung zu holen.
Nicht einen einzigen Augenblick zweifelte sie daran, dass sie ihn erwischen würde. Sie wusste, dass sie nicht ins Leere stechen würde.
Sie hielt das Messer mit beiden Händen, fast gestreckt über dem Kopf. Mit aller Kraft stieß sie in die Dunkelheit.
UMPF!
Es war ein dumpfer Ton, wie ein Schlag auf einen 10 Kilo Mehlsack, als das Messer in die Brust ihres Ehemannes eindrang. Sie spürte, dass es bis zum Schaft eingedrungen sein musste.
Sie tastete nach dem Lichtschalter und stieß dabei mehrmals gegen ihren Gatten, der wie wild im Vorzimmer herumtorkelte. Er schrie nicht, er grunzte bloß. Er klang wie ein abgestochenes Wildschwein.
Endlich fand sie den Lichtschalter.
Geblendet vom Licht schloss sie ihre Augen. Sie blinzelte und sah nun das gesamte Ausmaß ihrer Tat. Sie hatte angenommen, dass alles voller Blut sein würde, die Tapete, der Boden, ihr Mann. Aber sie hatte sich geirrt. Fast kein Blut, nur ein wenig auf dem Hemd ihres Mannes. Er lehnte keuchend am Türstock zum Wohnzimmer und hielt den Griff des Messers umklammert, das aus seinem Brustkorb ragte. Der Stich war mit so einer Wucht geführt worden, dass sogar der Plastikschaft gute 2 Zentimeter in ihn eingedrungen war.
Sie sah ihn nachdenklich an, trat dann einen Schritt auf ihn zu und griff nach dem Messer. Sanft stieß sie seine Hände vom Griff und packte diesen. Sie hob einen Fuß und setzte ihn auf seine unverletzte Seite der Brust. Sie hüpfte ein wenig herum, um nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Dann lehnte sie sich an die Mauer und drückte ihren Mann mit dem Fuß von sich. Wieder grunzte und keuchte er und blickte sie mit traurigen leeren Augen an.
Es war wie das Geräusch, wenn man einen verstopften Abfluss mit dem Hektor säubert. Ein Ploppen und das Messer war heraußen. Der liebe Gatte fiel durch die Kraft ihres Fußes nach hinten um und schlug hart auf den Boden.
Nun begann auch das Blut zu strömen und in kleinen Fontänen schoss es aus seinem Körper heraus.
"Oh mein Schatz, das ist aber eine böse Verletzung." Sie deutet auf seine Brust. "Ich werde dir helfen, mein armer Schatz."
Ohne Vorwarnung ließ sie sich mit ihrem ganzen Gewicht auf ihn fallen, das Messer in Bauchhöhe haltend. Ziemlich genau an der gleichen Stelle trat die Stichwaffe wieder in seinen Körper ein, wo sie ihn vorher schon getroffen hatte. Nur diesmal war es kein dumpfes, sondern ein knackendes, knirschendes Geräusch, als das Küchenmesser auf eine Rippe traf und diese durchbrach. Mit Interesse und Neugier drehte sie das Messer um 360 Grad und verwendete es wie einen Bohrer. Sie drehte und drehte.
Sie hielt plötzlich inne und sah in sein Gesicht.
Es war nicht von Schmerzen verzerrt, sein Ausdruck war eher verwundert, oder erstaunt, dass ihm so etwas passieren konnte. Offensichtlich war er auch verwirrt und begriff nicht wer sein Mörder war, denn er stöhnte fast unhörbar: "Töten Sie mich, aber lassen Sie meine Frau zufrieden."
Sie war erstaunt. Ihr Mann war offensichtlich doch zäher als sie gedacht hatte. Obwohl sie ihn hasste, war sie doch ein wenig gerührt. Es waren heldenhafte Worte gewesen: "...aber lassen Sie meine Frau zufrieden..."  Das einzig Verwunderliche war nur, dass er bei diesen Worten zu grinsen schien. Sie beschloss, ihm gnädig zu sein. Sie begriff, dass die unnötige Folter ihres Mannes aufhören musste.
 "Entschuldige, mein Schatz, ab jetzt werde ich sanfter zu dir sein."
Mit einem Ruck riss sie ihrem stöhnenden Opfer das Messer aus der Brust.  "Du hast Glück, deine Arme bleiben ganz, vorerst zumindest... Aber sterben wirst du !"
 Sie öffnete die Knöpfe seines völlig blutdurchtränkten Hemdes. Sie strich über seinen nackten Bauch und zupfte an den Haaren auf seinem mächtigen Bauch. Sie spielte mit ihnen herum, wie sie es früher getan hatte, als noch alles zwischen ihnen in Ordnung war.
 Langsam drückte sie die Spitze des Messers auf die Haut knapp über dem Nabel. Sie erhöhte den Druck. Noch verletzte ihn die Spitze nicht, aber je stärker sie drückte, desto tiefer grub sich das Messer in seinen Bauch.
Plötzlich, es kam ziemlich unerwartet, riss die weißliche, überdehnte Haut und das Messer drang langsam in den Bauchraum ein. Nur langsam weitete sich der Riss, um der Klinge Platz zu machen. Sie ließ sich Zeit und drückte nicht sehr fest, so dass es geraume Zeit dauerte, bis nur mehr das Heft des Messers zu sehen war.
Diese Prozedur hatte er nicht mehr so unbeteiligt über sich ergehen lassen wie die Stiche zuvor, sondern hatte versucht, um Hilfe zu grunzen. Sie hatte sich nicht beirren lassen und ihn weiter gefoltert.
Plötzlich ließ sie von ihm ab. Sie hatte sich seiner heldenhaften Worte entsonnen und beschlossen, ihn endgültig zufrieden zu lassen und ihn zu erschlagen. Sie ging in die Küche und holte sich den Fleischklopfer.
"Mach´ die Augen zu mein Schatz!"
Mit einem heftigen Hieb zertrümmerte sie seine Stirn. Der zweite Schlag streifte nur seinen Kopf und riss ihm das Ohr weg. Es war nicht mehr sie, die da werkte, es war ein völlig durchgeknalltes Etwas.

Langsam erwachte sie wieder aus ihrem Blutrausch und saß etwas verdutzt da. "Das war´s also und es war gar nicht schwer."
 Mit dem Zeigefinger ihrer rechten Hand schnippte sie ein Büschel blutige Haare vom Fleischklopfer. Sie war erschöpft, völlig fertig, ausgepumpt wie nach einem Tennisspiel.
"Und wer räumt die Sauerei wieder auf?... Ich natürlich." imitierte sie eine für ihre Ehe sehr typische Unterhaltung.

Sie brauchte einige Zeit bis sie die Säge fand. Sie setzte sich neben die Reste ihres Gatten und versuchte, seinen Arm zu zersägen. Es ging nur sehr langsam voran, weil die Muskeln glitschig und flutschig waren. Da die Säge, wie sie nach geraumer Zeit bemerkte, das falsche Werkzeug war, nahm sie wieder das Messer zur Hand und begann einen tiefen bis zum Knochen reichenden Schnitt zu führen. Mit der Säge fuhr sie in diese Schnittwunde, indem sie mit Daumen und Zeigefinger ihrer linken Hand die Wundränder auseinander hielt. Nach kurzer Sägearbeit musste sie innehalten, weil der Knochen beim Sägen staubte und sie kaum mehr Luft bekam. Nach einem Hustenanfall überlegte sie, wie sie die Zerstückelung ihres Angetrauten für ihre Lungen angenehmer gestalten könnte.

Mit Hilfe des Staubsaugers entledigte sie sich des Knochenstaubes, indem sie den Schlauch zwischen ihre Knie klemmte und die Fugendüse direkt in die Sägestelle steckte.
Sie kam nicht rasch voran, aber sie hatte Zeit und die nahm sie sich auch. Wenn man weiß, dass man lebenslänglich hinter Gittern verschwinden könnte, wird man vorsichtig und sorgfältig.

In den nächsten Tagen machte sie einige Busfahrten und warf kleine Tiefkühlsäcke mit Beschriftungen wie "Schweinsstelze" in verschiedene Mülltonnen überall in der Stadt. Sie verteilte ihn, um der Polizei nicht die Chance auf den Fund einer ganzen Leiche zu geben. Ihr Gatte war quasi in der ganzen Stadt gegenwärtig. Er wurde aber nicht gefunden, denn wer vermutete schon einen Menschen als Fleischhappen im Tiefkühlsack. Die einzigen Sorgen bereiteten ihr sein Kopf.
Schlussendlich fand sich auch für diesen eine wunderbare Lösung.
Mit einem Hammer schlug sie die Zähne aus, da sie einmal gehört hatte, dass an Hand von Zahnröntgenbildern der Name eines unbekannten Toten ausgeforscht werden konnte. In einem Schnellkochtopf kochte sie den restlichen Kopf und löste das Fleisch ab;  es war ein Leckerbissen für Nachbars Katze. Die restlichen Schädelknochen zerschlug sie mit einem Hammer und warf die verbliebenen Fragmente einzeln aus dem fahrenden Auto in einen Waldstreifen neben der Straße.

Ihren Mann meldete sie als vermisst, aber die Polizei konnte ihn leider nicht mehr finden. So sah sich die trauernde Witwe gezwungen, den Fleischer des Viertels zu ehelichen. Da sie sich als sehr geschickt erwies und eine Art Naturbegabung besaß, ließ er sie in seinem Geschäft fortan aushelfen und später auch im Schlachthaus mitarbeiten.

 

 

©FloSchütz
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